Indikation zur forcierten Gaumennahterweiterung beim skelettal offenen Biss
Schneider, M., Harzer, W.*, Hansen, L.*, Eckelt, U.
Einleitung: Der skelettal offene Biss ist sowohl aus kieferorthopädischer als auch im Rahme einer gemeinsamen kieferorthopädisch-chirurgischen Therapie eine schwer zu behandelnde Dysgnathie. Der Erfolg ist unsicher und mit einer hohen Rezidivquote verbunden. Aufgrund der Genese geht der offene Bisshäufig mit einer schmalen apikalen Basis, einem resultierenden Schmalkiefer und Zähnen im Eng- oder Außenstand einher. Trotz Behandlung mit festsitzender kieferorthopädischer Technik werden häufig geteilte Osteotomien in der Le Fort I-Ebene und Segmentosteotomien erforderlich. Das Risiko der Zahnverletzung, die Gefahr von Gingivarezessionen und der Minderperfusion einzelner Fragmente ist recht hoch.
Material und Methode: Zur Minimierung dieser Behandlungsrisiken und zur Sicherung einer erfolgreichen komplikationsfreien Therapie wird beim offenen Biss mit einer schmalen apikalen Basis das folgende Vorgehen vorgeschlagen: Unmittelbar im Anschluss an die Eingliederung der festsitzenden Apparatur und einer kurzen Nivellierungsphase wirdeine chirurgisch unterstützte Gaumennahterweiterung (GNE) durchgeführt. Dabe sollte ein knochengetragenes Gerät zur Expansion verwendet werden (Abb. 1 bis 4). Die Osteotomie erfolgt typisch in der Le Fort I –Ebene (Abb. 5 und 6). Die schmale apikale Basis kann so effektiv knöchern erweitert und im Rahmen der Ausformung die im Eng- oder Außenstand befindlichen Zähne eingeordnet werden. Bereits während dieser Behandlung kommt es zu einer Reduktion des offenen Bisses.
Ergebnisse: In einigen Fällen konnte der offene Biss durch die chirurgisch unterstützte Gaumennahterweiterung und die begleitende kieferorthopädische Behandlung bereits geschlossen werden. In Abhängigkeit von der sagittalen Situation, der verbliebenen vertikal offenen Dimension und der Lachlinie wird ein Stufenschema wirksam, das von der alleinigen Unterkieferosteotomie bis zur bimaxillären Osteotomie mit Vor- und Rückverlagerung sowie asymmetrischer Kranialisation/Kaudalisation des Oberkiefers reicht. In den meisten Fällen war zum Schluss des noch verbliebenen offenen Bisses eine Unterkieferosteotomie mit moderater Rotation ausreichend. (Exemplarischer Fall Abb. 7 bis 11)
Schlußfolgerung: Zusätzliche Zahnextraktionen zum Platzgewinn lassen sich regelmäßig vermeiden. Die Behandlungszeit verkürzt sich durch den simultanen Beginn von festsitzender Behandlung und chirurgisch unterstützter Gaumennahterweiterung. Bereits während des Öffnungsprozesses der Gaumennaht kann des entstehende Diastema wieder geschlossen werden. Die psychische Belastungssituation für den im Arbeitsprozess stehenden Patienten verringert sich damit. Wir sehen die Rezidivgefahr durch die nachhaltige knöcherne Veränderung der apikalen Basis reduziert. Geteilte
Osteotomien im Oberkiefer und Segmentosteotomien können auf das Minimum der extremen Behandlungsfälle reduziert werden.
